Freiwillige Mitarbeit in der TelefonSeelsorge Lübeck

Was heißt das konkret?

Sie interessieren sich für eine Mitarbeit bei der TelefonSeelsorge. Das freut uns sehr. Es ist uns ein Anliegen, dass Menschen, die sich freiwillig engagieren möchten, den richtigen Ort für sich finden. Die nachfolgenden Informationen sollen dazu dienen, sich ein Bild zu machen, ob die Anforderungen unserer Institution mit Ihren inhaltlichen Vorstellungen und zeitlichen Kapazitäten übereinstimmen.

Aufnahmeverfahren

Sie durchlaufen zuerst ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren. Die persönlichen Voraussetzungen für die Mitarbeit am Telefon sind: Lebenserfahrung, Zuhören können, zeitliche Flexibilität, Offenheit und Toleranz, hohe Verbindlichkeit, Wunsch nach einem längerfristigen Engagement in einem Team von 90 -100 Kolleginnen und Kollegen, Alter 25 bis 70 Jahre.

Ausbildungskurs

Die Teilnehmenden werden im 1 ½ jährigen Kurs gefördert in Selbst- und Fremdwahrnehmung; in 240 Stunden erhalten Sie eine Einführung in Gesprächsführung und setzen sich mit verschiedenen Lebensthemen sowie spezifischen Problemstellungen auseinander. Die Kurseinheiten bestehen aus einem Mix von theoretischen Inputs, persönlichem Erfahrungsaustausch und Rollenspielen.

Zeitaufwand

  • Auswahltag/ Teilnahme am Wochenend- Einführungsseminar und vier Studientagen (Samstagen) und Jour fixes im laufenden Jahr
  • regelmäßige Teilnahme am wöchentlichen Zwei-Stunden-Kurs (außer den Schulferien)
  • 28 Stunden Hospitation am Telefon und 6 Stunden eigener Dienst in Form von Schulung
  • eigene Dienste unter engmaschiger Supervision und weiterer Schulung

Eine Mitarbeit in der TelefonSeelsorge Lübeck heißt:

  • 10 – 12 Stunden im Monat – mindestens 128  Stunden am Telefon im Jahr
  • davon 6 Nachtdienste und 8 Wochenenddienste pro Jahr
  • regelmäßige Teilnahme an der Gruppensupervision (14 Termine im Jahr)
  • Teilnahme an der internen Weiterbildung (2 Tage im Jahr); fakultativ: Live-Supervision

Es ist uns wichtig, dass die Balance von Geben und Nehmen stimmt. Wir bieten:

  • eine anspruchsvolle Aufgabe am Puls der Zeit/ ein Zertifikat nach 3 Jahren Mitarbeit
  • ein wertschätzendes Betriebsklima
  • zwei bis drei gesellige Anlässe (u.a. festlicher Einführungsgottesdienst) pro Jahr
  • interne Mitwirkungsmöglichkeiten (Mitarbeiterausschuss; Arbeitsgruppen; Ehrenamtlichen-Forum Nord)
  • qualitativ hochwertige Fortbildungen – auch überregional

Download: Ausbildung bei der TS Lübeck
Download: Fragebogen zur Bewerbung für Ausbildung und Mitarbeit in der TS Lübeck

Neugierig? Hier erhalten Sie weitere Information über die Ausbildung und die Mitarbeit ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der TelefonSeelsorge Lübeck

Warum ich bei der TelefonSeelsorge mitarbeite:

Die TS ist für mich eine enorme Bereicherung. Nicht nur im Hinblick auf den Inhalt und die Art des Ehrenamts, sondern ganz besonders auch durch die Menschen, die bei der TS arbeiten. Viele sind für mich Vorbilder, wie ich mit Älterwerden und schwierigen Lebenssituationen umgehen kann. Mich empfangen Wärme und Wohlwollen bei der TS, und das ist ein ganz starker Rückhalt auch für mich persönlich.

Davon einmal ganz abgesehen, ist die Qualität der Aus- und Weiterbildung bei der TS ganz hervorragend. In der Wirtschaft zahlt man für Ihre Seminare locker einige Tausend Euro.

Ich möchte mich wirklich ganz ausdrücklich bei Ihnen, Frau Böhrk-Martin, und allen Menschen um Sie herum für all das bedanken, was Sie für uns tun. Es ist eine große Leistung, die Sie sicherlich nicht nur während der offiziellen Arbeitszeit erbringen. Vielleicht sollte ich mich daher auch bei Ihrer Familie bedanken?

Und was ich auch noch sagen möchte: Die Räumlichkeiten sind wunderbar, und wir werden mit Getränken, Knabbereien und Süßigkeiten verwöhnt. Es steht immer eine frische Blume im Dienstraum. Es ist wirklich etwas Besonderes, zur TS dazu zu gehören.

Viele herzliche Grüße!

Inken Purschke Ehrenamtliche TelefonSeelsorge Lübeck

Das Telefon klingelt. Ich melde mich: die Telefonseelsorge ?!

Auch nach mehreren Jahren Dienst am Telefon ist ein Moment der Spannung in mir: Gerade haben Kinder sich einen Spaß gemacht und unter unserer Tel.Nr.- 08001110111 eine Pizza mit Salami bestellt.

Nun klingelt es wieder: welche Erwartung hat dieser Mensch am anderen Ende der Leitung. Hat er vielleicht schon länger mit dem Hörer in der Hand da gesessen, bis er die Nummer gewählt hat? Möchte er einen Rat? Evtl. nur eine Auskunft über eine Beratungsstelle, Hat er ein Beziehungs- problem, Stress am Arbeitsplatz ? Ist er einsam? Wie groß ist die Not. Eine Lebenskrise? Alles ist offen.

Die Tagesdienste (4 Stunden) bei der Telefonseelsorge haben oft andere Inhalte, als die in der Nacht. Am Tage ist es mehr Beratung und Begleitung, der allein lebende Mensch, der nur reden möchte über alltägliche Dinge, weil sonst niemand zuhört.

Ich mag die Nachtdienste. 12 Stunden sind lang, aber ein Mal im Monat auch für Berufstätige einzurichten

Die Nacht: Die Ruhe in einem sonst lebendigen Verwaltungshaus. Ich bin nur Ohr für den Anrufenden. Die Stille lässt mehr Bilder im Kopf erscheinen, manchmal habe ich den Eindruck, ich höre intensiver. Probleme haben in der Nacht eine andere Dimension, das kenne ich selber auch. Körperliche Schmerzen erscheinen stärker, der Mensch ist auf sich zurückgeworfen. Das Alleinsein, alles wird schier unüberwindbar, bis zur Panik.

Man muss bedenken, dass 50% der Lübecker Wohnungen von einem Menschen allein bewohnt werden. Einsamkeit vorprogrammiert.

Das anonyme Ohr meiner Kollegen und Kolleginnen ist offen, hin zu hören.Wir vermeiden die Anrufer mit Ratschlägen zu bombardieren, das haben sie schon mit andern Menschen genug erlebt. „Mach` dies, mach´jenes“. Wir wollen begleiten, manchmal reicht ein „mmh“, ich bin da ,ich höre, wie geht es ihnen jetzt? Habe ich verstanden, dass…

Wir Telefonseelsorger haben alle eine 12-monatige Ausbildung:Theoretische Themen wie…… .und Hospitationen.

Der Anfang ist ein Auswahltag, an den erinnere ich mich noch sehr gut. Da war ein Teilnehmer, ein Mann, der sagte: ich habe das geschafft in meinem

Leben, was ich wollte. Mir geht es gut. Jetzt will ich der Gesellschaft etwas wiedergeben. Ich dachte: super, ich kann genau das Gegenteil sagen, ich werde durchfallen. Es war nicht so.

Eigenes Leben mit Höhen und Tiefen, wie man evtl. Krisen, schlechte Zeiten erlebt, bewältigt hat. Das befähigt anderen Mensch voll Empathie zu begegnen, zu erahnen, wie groß die seelische Not ist Man kennt, weiß. Interesse am Menschen am anderen Ende der Leitung. Dieser lebt evtl. ganz anders wie ich, hat andere Prioritäten. Manchmal sage ich innerlich: Hilfe, da fehlen mir die Worte, das ist zu viel Leid.

Diese Floskel: „ich verstehe“ mag einem raus rutschen. Nur wenn ich z.B. noch kein Kind verloren habe, kann ich zwar erahnen wie immens die Trauer ist, aber nicht verstehen.

Aber oft möchte der Anrufende auch nur von dem Problem erzählen ,seine Gedanken dabei unbewusst ordnen, damit kommt er selber zu einer Lösung. Das kenne ich selber auch.

Wenn ich jetzt zurückblicke, dann muss ich feststellen, die Ausbildung und die folgenden Dienste haben mich als Mensch verändert. Ich respektiere (das ist manchmal nicht ganz leicht) daß meine Sicht, meine Orientierung die Dinge zu sehen und zu tätigen, nicht die einzig wahre Art und Weise. ist. Jeder schustert sich seine eigene Sicht. Wer bin ich den anderen verändern zu wollen, zu be- oder verurteilen zu wollen.

Manchmal, wenn ich nach Hause gehe und von den Lebens-schwierigkeiten, den psychischen Störungen anderer Menschen gehört habe , werde ich ganz bescheiden und frage mich, warum ich manchmal stöhne, jammere..

Die TS-Mitarbeiter berichten immer wieder, dass Ihnen die Ausbildung und die anschließenden Dienste am Telefon auch in anderen Bereichen – Familie, Arbeitsplatz, Freundeskreis- geholfen haben.

Ich bedanke mich manchmal bei den Anrufenden für das Vertrauen, das sie mir gegeben haben.. Denn am Telefon, total anonym, also ohne Namensnennung beiderseits, (es erscheint natürlich keine Tel.Nummer im Display), werden Gedanken, Befürchtungen oder Ängste ausgesprochen, die oftmals die engsten Familienangehörigen nicht wissen.

Es macht mich froh, wenn ein Anrufer sagt: so habe ich das noch nicht gesehen, jetzt bin ich ruhiger. Nachts: ich glaube jetzt kann ich schlafen, ich sehe weniger schwarz.

Am Schönsten ist es natürlich, wenn man sich lachend trennen kann.

Es gibt aber Gespräche, wo ich einsehen muss, ich habe nicht die richtigen Worte gefunden, wir zwei Menschen waren wohl von verschiedenen Sternen, in der Computersprache sagt man heute: nicht compatibel, Über solche Telefonate sprechen wir Mitarbeiter dann in einer Supervisionsgruppe um zu sehen, wo es „geklemmt“ hat. Das liegt schon mal am Mitarbeiter, der dann sagen muss: ja, da hätte ich nachfragen sollen, ob ich etwas richtig verstanden habe, ich war blockiert.

Da stehen schon mal eigene Lebensgeschichten im Weg. Wenn ich mir darüber klar werde, habe ich die Möglichkeit das nächste Mal anders zu reagieren. Das hilft auch mir, diesen blinden Fleck zu sehen, ihn -bildlich- zu beleuchten.

Ich habe diese Zeilen geschrieben, um Sie aufzufordern zu überlegen: könnte ich dieses Ehrenamt ( das ist es im wahrsten Sinne des Wortes) nicht auch ausüben?. Gehören Sie zu den Menschen,denen immer gesagt wird: Du kannst gut zu hören, du fängst nicht gleich an von dir selbst zu reden. Du bist ruhig. Du hast Zeit für mich.

Wenn Sie neugierig geworden sind, neugierig im besten Sinne auf andere Menschen und deren Leben und wenn Sie mittragen können, wenn das Leben schwerer wird, das Alleinsein groß ist, rufen Sie das Büro der Telefonseelsorge Lübeck (0451/77502) an. Wir senden Ihnen gern Informationsmaterial über die Ausbildung und über die Organisation etc. zu.

Sigrid Schumacher Ehrenamtliche TelefonSeelsorge Lübeck