Information über die Ausbildung und die Mitarbeit ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der TelefonSeelsorge Lübeck

Unsere Arbeit

Die TelefonSeelsorge Lübeck ist eine Einrichtung der evangelischen Kirche in Lübeck-Lauenburg und hat als Citypastorale ihren Standort in der Altstadt. Sie arbeitet seit April 1961 mit ca. 100 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

An unseren Telefonen sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr Seelsorgerinnen und Seelsorger gesprächsbereit. In 2 – 6 Stundenschichten lösen sie einander tagsüber ab, die nächtliche Kernbesetzung dauert von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr morgens.

Wer in einer Krise bei uns anruft, tritt mit einem „Laien“ in Verbindung, der sich zwar auf die Arbeit vorbereitet hat, aber kein „Fachmann“ ist, wie z.B. ein Psychotherapeut oder ein Sozialarbeiter. Wir meinen, dass engagierte Laien, die im Team zusammenarbeiten, unserem Auftrag am Besten gerecht werden. Bei der Vielfalt der Probleme hat sich die große Arbeitsgemeinschaft mit ihren verschiedenen Begabungen bewährt.

„Alle Hilfe, die die TelefonSeelsorge gewährt, zielt auf Ermutigung zum Leben und auf die Befähigung, Lebenskrisen zu bewältigen“ (Internationaler Verband für TS).

Die Ausbildung

Die Ausbildung findet statt auf der Grundlage der Internationalen Normen und Ethik der IFOTES (International Federation of telephonic Emergency Services) und gemäß der Rahmenordnung für Aus-und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der TelefonSeelsorge und Offenen Tür, verabschiedet von der Vollversammlung der Ev. Konferenz für TelefonSeelsorge und der katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG-)-Beratung (als Fachverbände) am 29. April 1986 in Vierzehnheiligen.

Wie gestaltet sich der Ausbildungskurs?

Grundsatz

Die Teilnehmenden werden umfassend auf ihre Aufgabe am Telefon vorbereitet. Das Potential an Lebenserfahrung und Kompetenzen, das die auszubildenden Personen bereits mitbringen, bildet die Grundlage, um damit eine helfende Gesprächshaltung zu entwickeln, die auf Achtsamkeit beruht.

Ziele

Die Teilnehmenden werden gefördert in Selbst- und Fremdwahrnehmung. Sie lernen, eine Beziehung am Telefon herzustellen, das Anliegen der Anrufenden zu erfassen, bewusst eine akzeptierende Haltung einzunehmen, die Gesprächsführung an unterschiedliche Anliegen anzupassen, sich selber wertzuschätzen und die eigenen Ressourcen auszubauen, ein Gespräch zu strukturieren und zu beenden, sich kritisch mit der eigenen Art der Beziehungsgestaltung auseinanderzusetzen und erwerben Kenntnisse über relevante Lebensthemen und die Richtlinien der Mitarbeit.

Inhalte

  • Arbeit an der eigenen Person
  • Einführung in hilfreiches Gesprächsverhalten
  • Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebensthemen und speziellen Problembereichen
  • Einblick in die Psychopathologie
  • praktische Einführung in die Arbeit am Telefon
  • Überblick über das psychosoziale Netz des Einzugsbereiches der Telefonseelsorge Lübeck

Methoden

Der Ausbildungskurs orientiert sich didaktisch an den Grundsätzen der Erwachsenenbildung (TZI, gruppendynamische Methoden). Wesentliche Elemente sind Eigenreflexion und Wissensvermittlung, Übungen und Rollenspiele, Kursordner mit Unterlagen. Die vermittelte Gesprächsführung basiert auf der Grundhaltung des biblischen Menschenbildes und der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie, dem systemisch – ressourcen- und lösungsorientierten Ansatz sowie Elementen aus der TA, Gestalttherapie und analytischen Psychologie.

Auswahltagung

Gespräche und spielerische Übungen in der Gruppe zum Sichkennenlernen

Dauer und Umfang der Ausbildung

Dauer: 1 ½  Jahre
Grundausbildung: Dauer ¾ Jahr

  • wöchentlich 1 Gruppenabend a 2 Zeitstunden (mit Ausnahme der Ferienzeiten)
  • 1 Einführungs- Fortbildungswochenende
  • Teilnahmemöglichkeiten an den Fortbildungsveranstaltungen der TS
  • Studientag zur Zwischenbilanz: meine Stärken – meine Schwächen
  • Zwischentest zur eigenen Überprüfung des Gelernten
  • 1te Hospitationsphase am Telefon bei speziell ausgebildeten Seelsorgern mit insgesamt mindestens 16 Stunden

Praxisphase: Dauer ¼ Jahr

  • wöchentlich 1 Gruppenabend a 2 Stunden (mit Ausnahme der Ferienzeiten)
  • 2te Hospitationsphase mit im Wechsel geführten eigenen Gesprächen am Telefon über 12 Stunden
  • Sechs Stunden eigene Arbeit am Telefon unter Ausbildungs-Supervision
  • Teilnahmemöglichkeit an Fortbildungsveranstaltungen der TS
  • Evaluation: Abschlusstest und Rückmeldungen zum Kurs
  • 1 Abschluss-Fortbildungstag

Phase II. der Ausbildung endet mit der Einsegnung ins Ehrenamt im Jahresgottesdienst der TelefonSeelsorge.

III. Praxisphase: Dauer ½ Jahr

  • engmaschige 14tägige Supervision a 2 Zeitstunden  für ½ Jahr
  • weitere Ausbildungsinhalte antwortend auf die Anfangspraxis am Telefon
  • Ein Studientag zu einem ausbildungsrelevanten Thema

Im Anschluss erfolgt die Aufnahme in der Liste der aktiven ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger.

Finanzierung

Bei Vollkostenrechnung kostet ein Ausbildungsplatz rund 2000,-€- Diese Ausgaben werden budgetiert und durch Beiträge und Spenden finanziert. Die Teilnehmerinnen an der Ausbildung übernehmen einen Teil der Kosten in Form einer Schutzgebühr von 200,- €. Auf Antrag kann dieser Betrag in Raten bezahlt oder durch Mithilfe in der Organisation erlassen werden.

Die Mitarbeit

Eine Arbeitsgemeinschaft von über 100 Mitarbeiterinnen muss bestrebt sein, die anfallenden Belastungen möglichst gleichmäßig auf alle zu verteilen. Wenn Sie den Ausbildungskurs mitmachen, verpflichten Sie sich zu folgender Gegenleistung:

Dienst am Telefon

  • mindestens 128  Stunden am Telefon im Jahr, also 10 – 12 Stunden im Monat
  • davon 6 Nächte a 8 Stunden, diese sind auch an Wochentagen zu leisten
  • ebenso ist die Übernahme von Feiertagsdiensten im Jahr nach Beendigung der II. Ausbildungsphase verpflichtend, danach nötig

Wenn Sie nicht in der Lage sind, das Gesamt der Dienststunden zu übernehmen, ist dies durch die Zahlung eines finanziellen Ausgleiches möglich.

Fortbildung

Zur Arbeit am Telefon gehört die verpflichtende Supervision jeder Mitarbeiterin/jedes Mitarbeiters,die in Lübeck dreiwöchentlich stattfindet. Die Arbeit in der Gruppe dient  nach der Ausbildung der Weiterbildung, der gegenseitigen Stütze und Hilfe, dem Zusammenhalt der Mitarbeiterschaft und der Teilnahme an Planungen, die alle Mitarbeiter betreffen.

Die Teilnahme an mindestens zwei ein bis zweitägigen Fortbildungsveranstaltungen im Jahr und den alle zwei Monate stattfindenden zweistündigen Jour Fixes zu aktuellen Themen der TS wird darüber hinaus erwartet.

Schweigepflicht und Anonymität

Absolute Voraussetzung für jegliche TelefonSeelsorge – Arbeit ist Ihre Verpflichtung zum Schweigen. Da bereits die Ausbildung nur mit Praxisbezug möglich ist, unterschreibt jede/r TeilnehmerIn zu Beginn des Kurses eine Schweigepflichterklärung, die auch dann noch Gültigkeit behält, wenn er/sie aus dem Kurs bzw. aus der Arbeit ausgeschieden ist.

Die Schweigepflicht beinhaltet, dass Sie nicht nur über alles schweigen, was Sie am Telefon oder in den Räumen hören, sondern dass Sie auch Ihr Ehrenamt bei der TelefonSeelsorge „verschwiegen“ ausführen. Ohne ausdrückliche Erlaubnis Ihrer Kolleginnen und Kollegen in der TelefonSeelsorge dürfen weder Namen in der Öffentlichkeit preisgeben werden noch erzählt, was in der Intimität der Gruppe erfahren wurde. In Lübeck gilt die Regel:„Soviel Anonymität der MitarbeiterInnen wie nötig, soviel Offenheit für die eigenen Person, wie Sie selbst es verantworten können“. In Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising beziehen wir zuweilen gern ehrenamtliche MitarbeiterInnen, die sich dazu bereit erklären, mit ein.

Mindestverweilzeit in der TelefonSeelsorge

Wir erwarten, dass Sie mindestens drei Jahre langnach der Ausbildung mitarbeiten.

Es grüßt Sie die Leiterin der TelefonSeelsorge Lübeck

TelefonSeelsorge Lübeck
Marion Böhrk-Martin, Pastorin, Pastoralpsychologin, Supervisorin
Bäckerstr. 3-5
23564 Lübeck

Tel.:  0451- 77502
Fax: 0451 – 71528
E-Mail: telefonseelsorge@kirche-ll.de
Homepage: www.telefonseelsorge-luebeck.de